Unternehmen steuern

Mit der Buchhaltung von 1.500 SPAR-Filialen Österreichs schuf Jakob Obholzer Anfang der 1960er-Jahre eine starke Basis für sein Familienunternehmen, das sich unter Sohn Friedrich Obholzer zunehmend auch auf Beratung spezialisierte .

“Da geht es ins Innerste der Unternehmen und der Familien”, erzählt er.

eco.nova |

25 July 2017

Alle haben sie das gewisse Etwas, doch diese Gründergeschichte hat ihren ganz besonderen Reiz, weil sie im Nachhinein betrachtet durchaus ein wenig verrückt klingt. „Anfang der 1960er-Jahre hat mein Vater Jakob KR Hans F. Reisch unter­stützt. die SPAR-Märkte Österreichs zusammenzuführen”, weiß Friedrich Fritz” Obholzer. “Dafür sind die bei­den zwei Jahre lang durch ganz Ös­terreich gefahren.” Gemeinsam in einem hellblauen kleinen Opel. Die Idee des SPAR-Gründers aus Kuf­stein war bestechend gewesen und er selbst wohl dementsprechend überzeugend, schuf er mit dem Zu­sammenschluss all der einzelnen Händler doch die Grundlage für ei­nes der größten Familienunter­nehmen Österreichs, das in seinem Sterbejahr 2004 rund 32.000 Mitar­beiter beschäftigte.

Sein Freund Ja­kob Obholzer aus Kufstein half ihm bei diesem epochalen Vorhaben und zeichnete dafür verantwortlich, die betriebswirtschaftliche Abteilung in der SPAR-Zentrale in Kufstein aufzu­bauen und sich um die Buchhaltung der einzelnen Märkte zu kümmern. Vor dem Hintergrund und anfangs mit dieser Aufgabe ausgelastet, machte sich Obholzer 1961 mit einer Steuerberatungskanzlei selbststän­dig. Zielgruppe musste er vorerst keine neue definieren. 1.5oo Einzelhändler unter einen Hut zu bringen und von Vorarlberg bis ins Burgenland ein einheitliches Rechnungswe­sen zu installieren, war Herausfor­derung genug.

“40 Damen erledigten die Arbeiten – aufgrund des Umfan­ges ein Massengeschäft”, erinnert sich Fritz Obholzer an die Zeit. Eine der ersten und mit Abstand größ­ten EDV-Anlagen Österreichs wurde installiert, um einen reibungslosen und automatisierten Ablauf zu ga­rantieren. Es war eine aufregende und zugleich sehr anstrengende Zeit für meinen Vater”, so der Sohn. Noch heute sind die Familien eng verbun­den. so betreut und begleitet Fritz Obholzer etwa die Stiftungen der Fa­milie Reisch.

KREATIVE BERATUNG. Die Kanzlei entwickelte sich vom standardisier­ten Massengeschäft schrittweise hin zu Nischenaufgaben, individuel­len Klientenlösungen. SPAR Öster­reich wuchs und wuchs, die Zentra­le wurde nach Salzburg verlegt und Jakob Obholzer fing an, seine Fähig­keiten und großen Erfahrungswerte als Berater einzusetzen. “Wir haben einen großen Schritt in Richtung qualitativer Betreuung vollzogen”, sagt Fritz Obholzer. “Heute ist es so, dass unsere Leistungen im Grundge­schäft Lohnverrechnung, Buchhal­tung und Bilanzierung in etwa gleich hoch sind wie in der kreativen Steu­er-. Finanz- und Unternehmensbera­tung.”

Von Beginn an sah Fritz Obholzer in der zweiten Generation der Kanzlei seine persönliche Berufung in der aktiven und kreativen Bera­tung – vor allem jener von Familien. Im Hause Obholzer wird indes nicht viel über die Beratungstätigkeiten gesprochen. “Wir haben eine hohe Verschwiegenheitsverpflichtung, die wir sehr ernst nehmen. Es wird da­heim nicht erzählt, wer welche Pro­bleme hat. Das ist in unserem Be­ruf eben anders als etwa bei einem Handwerker oder Händler”, sagt er.

Blickt Fritz Obholzer zurück in die Schulzeit, muss er verschmitzt lächeln. Mit der charmanten Art ei­nes Tiroler Unterländers erzählt, wirken diese Erinnerungen wie ein Schwank. Nicht der Einserschüler sei er gewesen, effizient weiterzu­kommen war seine Devise. Als Kind beherrschte er fünf Instrumente und war wie seine Mutter musisch talentiert. “Heute kann ich keines der fünf mehr”. Der Vorschlag, das Mozarteum in Salzburg zu besu­chen, lief also ins Leere. Sein Vater ließ ihm alle Möglichkeiten offen – mit der Ansage: “Du kannst werden, was du willst, aber was du anfängst, machst du fertig!” Fritz Obholzer maturierte also in der Handelsaka­demie und begann in der Kanzlei des Vaters zu arbeiten.

Buchhaltung war nicht seine Sache, vielmehr ge­noss er es, wenn der Vater ihn mit hinaus zu den Unternehmern nahm und er die Beratungsgespräche vor­erst nur mitanhören durfte:  “Das ge­fiel mir! Ich kann gut mit Menschen, ich bin ein guter Zuhörer.” Das Inte­resse war geweckt und er legte zü­gig die Buchhalterprüfung ab. wurde Bilanzbuchhalter und in sehr kur­zer Zeit einer der jüngsten Steuer­berater Österreichs.” Mit dem Wis­sen konnte ich in die Beratung. in meine Spezialthemen gehen.”

Das ist seins und ist es auch geblieben. “Wir steuern Unternehmen”, um­schreibt er knapp den Mittelpunkt seiner Leidenschaft! “Mein Vater hat mich gefördert und meinen Weg ge­hen lassen.” Er und sein Vater wa­ren unterschiedlich in ihrer Art: “Das war unser Glück. Die Übergabe war so friktionsfrei wie bar jeden Dra­mas, weil wir eigentlich keine richti­ge Übergabe machten. Ich bin rein­geglitten, er ist rausgeglitten und das war für beide gut so.

OBHOLZER F. & PARTNER STEUER­BERATUNGS GMBH

Gemeinsam mit dem SPAR-Gründer Hans F. Reisch ist Jakob Obholzer Ende der 1950er-Jahre durch ganz Österreich ge­fahren, von Einzelhändler zu Einzelhändler, um sie zur SPAR-Gemeinschaft zusammenzuschließen. Die rund 1.500 Geschäfte bil­deten eine von Beginn an große Basis für die Steuer­beratungskanzlei, die Jakob 0bholzer 1961 gründete.

Noch heute ist das Haus des SPAR-Gründers am Unieren Stadtplatz in Kuf­stein Sitz der Obholzer-Un­ternehmen, die sich zu 50 Prozent um Buchhaltung und Steuerberatung und zu 50 Prozent um Unterneh­mensberatung kümmern. Zur Unternehmensbera­tung, die Schwerpunkt des Geschäftsführers Friedrich 0bholzers ist, kamen mit der Zeit weitere Aufgaben­bereiche, wie Beteiligungen und Partnerschaften, hin­zu. Mit Friedrich 0bholzer jun. ist die dritte Generati­on im Unternehmen tätig.

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INS INNERSTE. Die traditionellen Be­reiche wie Lohnverrechnung, Buch­haltung, Bilanzierung und Steuerbe­ratung zählen auch heute noch zum Portfolio der “Obholzer F. & Partner Steuerberatungs GmbH”. Werden die gefinkelten Steuergesetzgebungen der Länder zum Thema, in denen Obholzer beratend tätig ist, zählt er mit zu den Besten seines Metiers. Deutschland, Italien, Österreich – jedes Land hat seine Eigenheiten. Und er kennt sie: “Ich war auch Vor­tragender bei der deutschen Steuer­beraterkammer” sagt er.

Die stetig zunehmende Komplexität und die häufigen Gesetzesänderungen kos­ten jedoch immer mehr Zeit und Geld: “Alleine in Österreich haben wir über 300 Übergangsbestimmun­gen nur im Einkommensteuerbe­reich. Hier einen Überblick zu be­halten, wird immer schwieriger und anspruchsvoller. Als Steuerberater hat man sehr große Verantwortung zu übernehmen. Früher wussten wir 80 Prozent auswendig und mussten bei 20 Prozent der Fragen nachschla­gen. Heute hat sich dieses Verhältnis zum Leidwesen aller umgedreht.”

Die Steuer an sich bezeichnet Ob­holzer grundsätzlich als letztes Glied einer langen Kette von erbrachter Leistung. Erst kommen der Betrieb, die Unternehmerfamilien, die Fa­milien der Mitarbeiter. Sachzwänge und Deckung des erforderlichen Fi­nanzierungsbedarfes. “Die Steuer ist dann ein Rechenergebnis basierend auf der erwirtschafteten Leistung – eine volkswirtschaftliche Not­wendigkeit. Viel Spielraum bleibt nicht mehr”, hält er fest und meint: “Das Gewand für Zauberformeln, Umschichtungsmaßnahmen und schlaue Konstruktionen ist sehr eng geworden.”

BERATUNG UND BEGLEITUNG. Auch deshalb nimmt die laufende Be­ratung und Begleitung der Unter­nehmen nun einen weit höheren Stellenwert ein. Zum Obholzer-Port­folio zählen Klein- und Mittelbetrie­be und Unternehmensgruppen ge­nauso wie große Stiftungen.

Meist dringt die Beratung sehr tief in Familienbereiche ein. Emo­tionen spielen da eine große Rol­le. Fritz Obholzer verbringt deshalb auch als Privatperson viel Zeit mit den Menschen: “Ja, du kommst tief in die Familie hinein, in einen in­timen und nach außen geschütz­ten Bereich, meist wirklich ins In­nerste. Du benötigst eine besondere Sprache als Übersetzer bei gleichen Meinungen, aber unterschiedli­chen Ausdrucksweisen.

Die Leute­ – Ehepartner, Väter, Mütter, Töchter und Söhne, Weichende und über­gebende – sprechen unterschiedliche Sprachen, haben verschiedene Zugänge und Wichtigkeiten, einen anderen Abstand zueinander, an­dere Ausdrucksweisen.

Mein Bestre­ben ist es, eine für alle verständliche Sprache zu sprechen, einen verträg­lichen gemeinsamen Nenner zu fin­den”, beschreibt er. Meistens gelingt es ihm. Vor Ort zu sein, wenn es der Klient braucht. das ist wichtig. Ver­gangenes Jahr beispielsweise legte Obholzer 60.000 Autokilometer – oh­ne die Flugmeilen – zurück, um zu helfen, Wogen zu glätten, aber auch Wahrheiten auszusprechen: “Tache­les zu reden, ist nicht immer ange­nehm, aber wenn es notwendig ist. muss ich klare Worte finden. Es sind Entscheidungen im Bereich Gesund­heit, Privatleben, wirtschaftlicher Erfolg und Misserfolg oder Betriebs­einstellungen zu treffen. Schluss­endlich hat die Reputation als Be­rater und Begleiter hohe Priorität.”

Diese Form von Ehrlichkeit ist eine Gratwanderung: “Wir müssen zu 100 Prozent hinter dem Unternehmen stehen. Das hält meistens ein Leben lang, jedoch nicht immer”, nimmt es Obholzer mit Gelassenheit, die die Erfahrung mit sich gebracht hat. Die Chemie müsse stimmen. Zu künftigen Beratungsschwer­punkten meint er: “Banken werden in Zukunft mehr auslagern und das Thema Kreditanträge wird noch in­tensiver von uns vorbereitet und be­gleitet werden.”

IN DRITTER GENERATION. Sein Sohn, Mag. Friedrich Obholzer jun., ist mit 32 Jahren bereits als Steuer­berater mit Erfahrung in der Wirt­schaftsprüfung in der Kanzlei tä­tigt. Die jahrzehntelange Erfahrung mit den erfolgreichen Generatio­nenwechseln stärkt die Kanzlei. Es ist ein Glück, dass er will und kann. “Er macht seinen Weg”, sagt der Va­ter und lässt ihn selbständig und unabhängig leisten, genauso wie es damals sein Vater getan hat. Ein besonderes Motto der Familie Ob­holzer ist und bleibt im beruflichen wie auch im privaten Leben: “Versu­che nie einen Menschen zu verän­dern, sondern fördere die jeweiligen Stärken.”

Contact:
T:     +43 / 5372 / 6988
F:     +43 / 5372 / 6988-12
E:     office@obholzer-wt.at

Unterer Stadtplatz 27-31
A-6330 Kufstein

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